Unterer Bereich des Körpers einer Steinstatur.

Hodenkrebs – Symptome, Ursache & Diagnose erklärt

Zuletzt aktualisiert am 26. Juli 2021
Veröffentlicht am 23. Juni 2021

Hodenkrebs kommt leise. Er tut nicht weh und kündigt sich als Verhärtung am Hoden an. Plötzlich fühlt man Knoten unter der Haut, wo vorher keine waren. Aber wie entsteht Hodenkrebs? Wie wird er behandelt und wie ging das noch mal mit dem Abtasten?

Wir haben uns das Thema Hodenkrebs mal genauer angeschaut und darüber auch mit Dr. Wolfgang Bühmann gesprochen. Er ist Facharzt für Urologie und hat uns während unser Recherche unterstützt. 

Hodenkrebs – Definition, Entstehung und (Früh-)Erkennung

Was ist Hodenkrebs? 

Als Hodenkrebs bezeichnet man eine bösartige Erkrankung. In der Regel entwickelt sich Hodenkrebs zuerst in einem der beiden Hoden und kann im weiteren Verlauf auch die Nebenhoden und Samenleiter betreffen.

Hodenkrebs tritt eher selten auf. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten 2017 etwa 4.059 Männer an Hodenkrebs. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen in Deutschland ist das nur einen Anteil von 1,6%.

Der Krebs wird häufig bei Männern zwischen 25 und 45 Jahren diagnostiziert. Im Gegensatz zu Prostatakrebs ist Hodenkrebs also eine Krankheit, die vor allem bei jungen Männern auftritt.  

Hoden, Hodensack, Nebenhoden? In diesem Video wird noch mal erklärt, wo was genau beim Mann liegt:

 

Durch die Hose keine Diagnose! Bei Problemen ab zum Arzt! 

Bei Beschwerden, egal im Hodensack oder woanders, sollte man immer mit einem Arzt oder einer Ärztin sprechen. Denn der Urologe oder die Urologin hat das letzte Wort und nicht Dr. Google! Nur so kommt man zu den richtigen Schlussfolgerungen. 

Entstehung und Ursachen von Hodenkrebs 

Warum sich Hodenkrebs entwickelt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Nachgewiesen sind allerdings die Ursachen, warum dieser Krebs vor allem bei jüngeren Männern auftritt: Die Keimdrüsen (auch Geschlechtsdrüsen genannt) innerhalb der Hoden entwickeln sich in jüngeren Jahren besonders stark und dabei kommt es zu einer vermehrten Zellteilung, die zu Unstimmigkeiten führen kann.  

Und gerade diese Unstimmigkeiten, diese „Fehler im Bauplan“, wie Bühmann es nennt, können eine Ursache für Hodenkrebs sein. 

Laut der der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. scheinen außerdem zwei Ursachen für Hodenkrebs öfter aufzutauchen, als andere:

Hodenhochstand/Hodenfehllage:

Ab und zu rutscht ein Hoden mal nach oben aus dem Sack heraus in die Gegend der Leiste. Er sollte allerdings locker wieder runterrutschen. Ist das nicht der Fall, spricht man von einer Hodenfehllage. Diese Fehllage tritt in der Regel während der Entwicklung eines Embryos auf und wird bei Jungen früh operiert.

Aber: Das Risiko an Hodenkrebs zu erkranken, ist damit um das 10-fache erhöht. Wer früher einen Hodenhochstand hatte, sollte seinen Hodensack abtasten und sich regelmäßig von einem Urologen oder eine Urologin untersuchen lassen.

Hodenkrebs in der Familie:

Wenn jemand im engsten Familienkreis Hodenkrebs hatte, kann es bei einem selbst ein erhöhtes Risiko geben. Das muss aber nicht unbedingt der Fall sein. Wichtig ist nur, den Hintergrund zu kennen und sich regelmäßig selbst abzutasten. Und das sollte man mindestens einmal im Monat machen – egal ob jemand in der Familie Hodenkrebs hatte oder nicht.

Hodenkrebs (selbst) ertasten & (früh) erkennen

Es gibt leider kein eindeutiges Startsignal für Hodenkrebs. „Hodenkrebs tut nicht weh“, sagt Bühmann. Deswegen sei es auch wichtig, sich regelmäßig am Hoden abzutasten und das spätestens mit Anfang 20. Hier gilt das Motto: Lieber zu früh als zu spät. 

Entspannung hilft.

Es tastet sich zum Beispiel gut im Bett, unter der Dusche oder in der Badewanne.

Hier kommt eine Anleitung in 4 Schritten, wie du deinen Hoden selbst abtasten kannst: 

1. Forme mit den Händen eine Schale und lege sie um den Hodensack. Er sollte locker auf deinen Fingern liegen. So kannst du die Haut gut mit den Daumen und restlichen Fingern abtasten. 

2. Wenn der Hodensack entspannt zwischen deinen Händen liegt, tastest du ihn ab. Streiche über die Haut und drücke leicht dagegen.

Nicht verwechseln oder erschrecken: Auf der Rückseite liegt das weiche Gewebe der Nebenhoden. Du merkst sie als leichte Knubbel im Sack. Sie transportieren und speichern die Samenflüssigkeit.

3. Gleite auch mit den Daumen über die Vorderseite des Hodensacks und an den Seiten entlang. Lass dir ruhig Zeit. Es gilt: Lieber mehr als weniger tasten.

4. Stell dich auch noch mal nackt vor einen großen Spiegel und prüfe, ob die Hoden größer sind als normal. 

Gibt es Symptome für Hodenkrebs? Zum Beispiel Verhärtungen? Oder ist der Hodensack größer als sonst? Reagiert er empfindlich, wenn du ihn berührst? Dann ab zur Untersuchung und checken lassen. 

Hier siehst du eine Anleitung auch noch mal in einem Video:

Symptome – Anzeichen für Hodenkrebs

Auf folgende Symptome solltest du bei der Selbstuntersuchung und generell achten:

  • Gibt es Verhärtungen am Hodensack? Diese Verhärtungen lassen sich laut Bühmann mit der Struktur einer Eichenrinde vergleichen. Heißt: Die einzelnen Knötchen fühlen sich hart und rau an. Und sie liegen unter Haut, auf der Oberfläche des Hodens. 
  • Schwillt der Hodensack an? Wenn er im Laufe von drei bis vier Wochen immer größer wird, ist da kein Zeichen von Potenz, sondern ein Warnsignal des Körpers.
  • Gibt es ein Schweregefühl im Hoden? So als ob es ihn nach unten zieht.
  • Spürst du anhaltende Schmerzen in der Leistengegend?
  • Reagiert der Hoden besonders empfindlich, wenn du ihn berührst?
  • Schwellen die Brustdrüsen (also die Nippel) an und schmerzen dabei?

Und was macht man, wenn diese oder einzelne Symptome auftreten? Ab zum Urologen oder zur Urologin – nicht unbedingt zum Hausarzt. Denn erst ein Fachmann oder eine Fachfrau kann schnell und präzise feststellen, ob es sich wirklich um Hodenkrebs handelt.

Die gute Nachricht ist aber: Hodenkrebs kann mittlerweile sehr gut behandelt werden – vorausgesetzt, der Patient geht damit früh genug zum Arzt. „Wenn man den Verdacht hat, lieber einmal mehr hingehen“, sagt Bühmann.

Diagnose Hodenkrebs – was passiert jetzt?

Untersuchung beim Urologen

Wer mit dem Verdacht auf Hodenkrebs zu einem Urologen oder einer Urologin geht, wird meistens mit folgendem Ablauf untersucht:

  • Körperliche Untersuchung – noch mal Abtasten: Der Urologe oder die Urologin tastet noch einmal den Hodensack ab. 
  • Ultraschalluntersuchung: Mit einem kleinen Joystick (der häufig aussieht wie ein Deoroller) werden die Hoden untersucht. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft. Meistens ist der Tumor schon auf dem Ultraschallbild zu sehen.
  • Blutentnahme: Dabei wird eine geringe Menge Blut des Patienten entnommen und in einem Labor untersucht. Ziel ist es, sogenannte Tumormarker zu bestimmen. Das sind Eiweißstoffe und Enzyme, die sich häufiger im Blut von Menschen mit Tumoren befinden. Damit lässt sich aber nicht immer eine sichere Diagnose bezüglich Hodenkrebs stellen. Denn nicht bei jedem Verdacht auf Hodenkrebs, sind auch Tumormarker vorhanden. Doch einmal gefunden, können sie später bei der Behandlung hilfreich sein. Mehr Informationen über Tumormarker findest du hier.

Behandlung von Hodenkrebs

Wenn die Untersuchung den Verdacht auf Hodenkrebs bestätigt, gibt es grundsätzlich folgende Behandlung. Die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse.

Die Entfernung des befallenen Hodens – die Orchiektomie

Durch eine Operation wird der befallene Hoden durch einen Schnitt in der Leiste freigelegt und entfernt. Die Operation dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten. Diese Hoden-OP gilt als relativ einfacher Eingriff und als erster Behandlungsschritt bei Hodenkrebs.

Wer möchte, kann sich ein Silikonkissen einsetzen lassen. Das hat allerdings nur kosmetische Gründe. Die Samenproduktion übernimmt weiterhin der gesunde Hoden. Vor dem Eingriff sollte man allerdings mit dem Urologen oder der Urologin über die Möglichkeit sprechen, Sperma einzufrieren (die sogenannte Kryokonservierung).

So kann man im Falle eines Kinderwunsches davon ausgehen, dass sich weitere Behandlungsschritte nicht auf die Qualität der Spermien auswirken. Weiter unten findest du noch mehr Informationen zum dem Thema.   

Ob sich weitere Behandlungen an die Hoden-OP anschließen, liegt an der Art des Tumors. Um diesen zu bestimmten, kann der Arzt oder die Ärztin während der Operation Gewebeproben entnehmen oder über ein Blutbild bestimmen, welche Art des Tumors vorhanden ist.

Außerdem wird überprüft, ob der Tumor noch an weiteren Stellen im Körper auftaucht. Dafür macht der Arzt oder die Ärztin eine Computertomograpfie (ein sogenanntes CT). Ziel dieses CTs ist es, Metastasen und vergrößerte Lymphknoten im Körper des Patienten zu finden. 

Für eine weitere Behandlung unterscheidet man außerdem zwischen zwei Tumorarten, den Semionen und Nicht-Semionen. Sie werden unterschiedlich behandelt.

Behandlung von Semionen

Wenn keine Lymphknoten durch den Tumor befallen sind, gibt es drei Art der Behandlung von Semionen:

  • Abwartendes Verhalten: Bei der sogenannten „Wait-and-see“-Strategie findet nach der Entfernung des befallenen Hodens keine weitere Therapie mehr statt. Wichtig sind dabei regelmäßige Kontrollen, um einen neuen Tumor früh zu entdecken. Wird der allerdings rechtzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen genauso groß wie bei einer direkten Therapie nach einer Hoden-OP. 
  • Bestrahlung: Eine Therapie durch Bestrahlung findet nur noch selten statt. Der Grund: Es scheint so, als würde sich die Bestrahlung negativ auf andere Organe auswirken und dabei eine Chance von 20% auf einen Zweittumor bleiben. In seltenen Fällen kann allerdings auch eine Bestrahlung sinnvoll sein. Ob und wie muss man mit dem Arzt oder der Ärztin klären, die einen behandelt. 
  • Chemotherapie: Um weitere Krebszellen nach der Hoden-OP im Körper abzutöten, wird in der Regel eine Chemotherapie empfohlen. Wie lange man eine Chemotherapie machen muss und in welchem Rhythmus legt der zu behandelnde Arzt oder die Ärztin fest. 

Behandlung von Nicht-Semionen

Es gibt zwei Behandlungen von Nicht-Semionen:

  • Abwartendes Verhalten: Auch bei dieser Art von Tumor gibt es eine „Wait-and-see“-Strategie und auch hier sind regelmäßige Kontrollen wichtig. So wird ein neuer Ausbruch des Tumors zum frühestmöglichen Zeitpunkt erkannt.
  • Chemotherapie: Als vorbeugende Behandlung wird in der Regel bei Nicht-Semionen eine Chemotherapie mit unterschiedlichen Medikamenten empfohlen.

Weitere Informationen bietet dir hier die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und das urologielehrbuch.de

Wichtig: Hodenkrebs kann unterschiedlich behandelt werden. Diese Infos geben dir nur einen Überblick. Ob und wie der Hodentumor richtig behandelt wird, entscheidet dein Urologe oder deine Urologin mit dir zusammen.

Zweite Meinung: Vier Augen sehen mehr als zwei.

Bei Verdacht auf Hodenkrebs empfiehlt sich eine zweite Meinung. Wenn dein Urologe oder deine Urologin von sich aus keine Zweitmeinung zu deinem Fall einbeziehen will, hilft hier auch das Projekt Zweitmeinung Hodentumor.

Hodenkrebs im Kopf – die psychische Behandlung

Hodenkrebs findet auch im Kopf statt – und zwar psychisch. Denn viele Männer haben nach der Diagnose Angst um ihre Potenz und Zeugungsfähigkeit. Gerade jungen Männern fällt es schwer, die Erkrankung zu verarbeiten. „Das trifft einen mitten im Leben. Man denkt vielleicht mal mit 60 oder 70 darüber nach, dass man krank werden könnte, aber auf keinen Fall mit 20“, sagt Bühmann.

Aus diesem Grund empfehlen Urologen und Urologinnen bei Hodenkrebs zusätzlich zur körperlichen auch eine psychische Behandlung durch einen Therapeuten oder eine Therapeutin. 

Hier kannst du es noch mal eine Reportage sehen, die sich mit dem Thema befasst:

Heilung von Hodenkrebs

Gute Chancen auf Heilung!

Hodenkrebs tritt nicht nur selten auf, er lässt sich auch noch gut heilen. Laut Robert Koch Institut liegen die Chancen auf eine Heilung zuletzt bei 97%. Vorausgesetzt, der Tumor wird rechtzeitig erkannt und behandelt. 

Aus diesem Grund ist es auch so wichtig, den Hoden mindestens einmal im Monat abzutasten. Außerdem besteht ein höheres Risiko, dass auch nach einer Entfernung des kranken Hodens der zweite Hoden ebenfalls befallen wird. In so einem Fall helfe laut Bühmann nur ein regelmäßiger und gewissenhafter Check durch den Urologen oder die Urologin.  

Ein Leben nach dem Hodenkrebs

Aber wenn der Hodenkrebs besiegt wird, was passiert dann? Kann man noch Kinder zeugen und was ist mit der Potenz? Steht der Penis dann noch wie gewünscht?

Kinderwunsch nach Hodenkrebs

Viele Männer sorgen sich, dass sie nach dem Hodenkrebs keine Kinder mehr zeugen können. Vor allem nach der Entfernung des befallenen Hodens. Tatsächlich ist es aber so, dass der gesunde Hoden die Produktion der Samenflüssigkeit übernimmt. In der Regel hat eine Hoden-OP also keine Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit eines Mannes. 

Es empfiehlt sich aber, schon vor der OP Sperma einzufrieren. Schließlich weiß man nicht immer, wie sich weitere Behandlungsschritte auf die Sperminen auswirken. Denn Medikamente, Chemotherapie oder Bestrahlung können Einfluss auf die Qualität der Spermien nehmen. Außerdem ist die sogenannte Krykonservierung kein großer Aufwand und wird seit dem 01. Juli 2021 vollständig von der Krankenkasse übernommen. Bevor die Behandlung beginnt, solltest du also mit deinem Arzt oder deiner Ärztin über dieses Thema sprechen.

Hier fasst dir Sebastian die Informationen zur Krykonservierung auch noch mal in einem Video zusammen: 

Bei einer weiteren Behandlung, zum Beispiel durch Bestrahlung oder einer Chemotherapie empfiehlt es sich, vorher Sperma einzufrieren. Denn es kann vorkommen, dass sich diese Behandlung auf die Fruchtbarkeit eines Mannes auswirkt. Bevor diese Behandlung beginnt, solltest du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin über dieses Thema sprechen.

Steht er noch? Die Sache mit der Potenz

Laut Bühmann sind die die Erektionsstörungen meistens seelisch bedingt. Ob der Penis nach einer Behandlung von Hodenkrebs wieder steif wird, liegt also oft nicht am Krebs, sondern an der Situation im Kopf. 

Doch nicht immer muss der Kopf damit zu tun haben, weil durch die Behandlung das Hormon- und/oder Nervensystem beeinflusst werden kann. Bei Operationen im Becken und Bauchbereich gibt es zum Beispiel Schädigungen der Nervenstränge. Manchmal ist auch Testosteronmangel, vor allem nach eine Chemotherapie, für eine schwache oder gar keine Erektion verantwortlich.

Wichtig: Besprich dich mit deinem Urologen oder deiner Urlogin. So kannst du gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin das Thema angehen und bekommst Hilfe.

In diesem PDF zur männlichen Sexualität und Krebs bekommst du noch mehr Informationen über das Thema.

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Titelfoto: Unsplash/Steve Barker (bearbeitet)

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