Auf einem Schild steht: Eco not Ego.

Leise Schritte aus dem Rampenlicht

Kanzler:inkandidatur: Annalena Baerbock betritt die Bühne, Robert Habeck nimmt sich zurück. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung und für die Männer dieser Gesellschaft.

Sie nimmt erst mal einen Schluck Wasser zwischen zwei so großen Momenten. Erst hatte Robert Habeck am Montag dieser Woche Annalena Baerbock als erste grüne Kanzlerkandidatin angekündigt und dann – schluck – tritt sie ihre Rede auch noch als jüngste Kanzlerkandidatin der deutschen Geschichte an. Ihre Kandidatur ist ein wichtiges Zeichen für mehr Frauen und für mehr Gleichberechtigung in der Politik. Ihre Kandidatur bedeutet allerdings auch den Verlust der Doppelspitze Baerbock-Habeck. Denn während sie nach vorne an die Bühne tritt, geht er einen Schritt zurück. Das ist ein wichtiges Zeichen für andere Männer und für mehr Gleichberechtigung in dieser Gesellschaft. 

Der Rückschritt fiel ihm sehr wahrscheinlich nicht leicht. Es gehe ihm stabil, sagte er in einem Interview mit ZEIT Online, kurz nach der Entscheidung. Stabil. Das bedeutet nicht schlecht, aber eben auch nicht gut. Also irgendwas dazwischen und irgendwie kann man ihn auch verstehen. Habeck war mal Deutschlands beliebtester Politiker. Er ist eine wichtige Figur bei den Grünen. Dieser Mann wollte Kanzler werden. Warum also zieht dieser Mann seine Ambitionen zurück?

Ringen auf Augenhöhe

Man lebe noch nicht in einer Gesellschaft, in der Gleichberechtigung verwirklicht sei, sagte Habeck in besagtem Interview mit ZEIT Online und das Wort noch ist hier das Entscheidende. Denn es zeigt, wie er die Gesellschaft sieht und was seine Ziele sind. Kanzlerschaft schön und gut. Aber klare Signale für mehr Gleichberechtigung statt persönlichem Machtstreben sind wichtiger. Sein letzter Satz: „Annalena, die Bühne gehört dir“, steigert damit noch mal die Wirkung seiner Ankündigung.

Sie steht aber nicht dank ihm auf der Bühne. Das zu verstehen ist wichtig. Habeck hat Baerbock nicht die Tür zur Kanzlerinnenschaft aufgehalten, um ihr aus altbackener Höflichkeit den Vortritt zu lassen. Ganz im Gegenteil. Hier macht nicht ein Mann einer Frau Platz, sondern die Doppelspitze diskutierte auf Augenhöhe. „Wir haben miteinander um die beste Lösung gerungen“, sagte Habeck in seiner Rede.

Und die beste Lösung ist und bleibt Annalena Baerbock. Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, müssen Gehälter angleichen, anders über Elternzeit sprechen. Kurz: Wir müssen mutig genug sein, neue Strukturen auszuprobieren. Mit so einer grünen Kanzlerin ist das möglich. Viele Argumente haben durch ihre Person mehr Durchschlagskraft, weil sie aus einer anderen Position argumentieren kann als ein Mann.  

Interessante Zukunftsmusik  

Ihre Kandidatur zieht allerdings Fragen nach sich: Wie gehen die Grünen in Zukunft mit ihren Doppelspitzen um? Folgt auf sie ab jetzt immer eine Frau? Oder wechseln sie sich mit den Männern ab? Und: Was ist die gleichberechtigtere Vorgehensweise? Darauf gibt es noch keine Antworten. Aber sie zeigen, dass die Diskussion um Gleichberechtigung noch lange nicht zu Ende ist. Es bleibt also spannend. 

Tatsächlich geht es auch nicht darum, Robert Habeck als emanzipierten Mann abzukulten. Aber, nur mal kurz, seine Schritte raus aus dem Rampenlicht der Kanzlerkandidatur zu registrieren, das ist wichtig. Denn damit zeigt er, wie entspannt und leise man die K-Frage beantworten kann. Dass es eben auch anders geht, als sich aufzuplustern und ihr mit männlichem Ego und verletztem Stolz zu begegnen. Fragt sich nur, wann Armin Laschet und Markus Söder auch so weit sind. 

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Titelfoto: Unsplash/Markus Spiske

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